Bruno Wolters
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Was mir bei Akteuren wie Pretzell, Petry und Cotar immer wieder auffällt, ist, dass sie nach ihrer Zeit bei der AfD einen erheblichen Teil ihrer Schaffenskraft darauf verwenden, sich von ihrer Ex-Partei abzugrenzen und eine eigene Identität für die Zeit danach zu konstruieren. Letztlich beziehen sie sich dabei aber doch immer wieder auf ihre Vergangenheit in der AfD, da ihnen die eigenständige politische Relevanz fehlt. Auch ihre gesellschaftliche Aufmerksamkeit ergibt sich maßgeblich daraus, dass sie einmal Teil der AfD waren. Petry wird noch Jahre später interviewt, um etwas zur AfD zu sagen, und Cotar schreibt ein Buch über ihre Zeit bei der AfD im Bundestag. Überdies bleiben sie jedoch Zuschauer am Rand des politischen Spektakels. Zumal die Frage im Raum steht, inwiefern es bei den Themen, die etwa das Team Freiheit behandelt, überhaupt grundlegende politische Unterschiede zur AfD gibt. Einen libertären Minimalstaat würden wohl auch erhebliche Teile der AfD-Bundestagsfraktion unterschreiben. https://www.youtube.com/watch?v=V-wYtixCpbw
[Greif zur Feder, Kumpel!] Werner Bräunig war ein begnadeter Schriftsteller. Der Chemnitzer erlebte die Nachkriegszeit im Bergbau-Imperium der Wismut und griff, als Kumpel, zur Feder. Er fiel jedoch bei den SED-Parteibürokraten in Ungnade: Man zersetzte sein Umfeld, er soff sich zugrunde. Heute jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Anlass genug für eine Würdigung dieses großen Autors, der dem Erzgebirge und dem mittel- bzw. ostdeutschen Aufbau nach der Katastrophe von 1945 ein literarisches Denkmal setzte. Eines, das ihm selbst Karriere und Leben kostete. 📖 Meine aktuelle Kolumne „Kaisers Zone“, die 97., für die Zeitschrift Der Eckart gibt es, ohne Bezahlschranke, hier. Grüße in die Runde. ___ // folgt dem kaiser
Muss dieser Kanzler ausgetauscht werden? | Energie. #11 mit Robert Teske und Benedikt Kaiser Hält der Kanzler durch? Schaut man sich die Stimmung innerhalb der CDU an, könnte man das Gefühl bekommen, dass Merz bald schon wieder Geschichte ist. Die Art und Weise, wie er in der Spahn-Leihmutterschaftsaffäre agiert hat und wie er mit seinen Parteifreunden im Kabinett umgesprungen ist, hat Risse hinterlassen. Die letzten Wochen haben es eindrücklich bewiesen: Merz kann es nicht. Gemeinsam mit meinem Mitarbeiter Benedikt Kaiser blicke ich zurück auf das, was zuletzt das politische Berlin erschüttert hatte. Und natürlich wollen wir über den Migrantenansturm auf Ceuta sprechen. Das Parlament mag zwar in der Sommerpause sein, aber aktuell passiert so viel, über das es sich zu diskutieren lohnt. Einschalten! 🎥 Film ab: hier! 🇩🇪 Folgt mir: @RobertTeske
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Spaßfaktor: Es sollte niemanden überraschen, dass Auftritte rechter Politiker regelmäßig zu Medienspektakeln werden und entsprechend viel Aufmerksamkeit erhalten. Bereits im Jahr 2000 wurde ein Auftritt Jörg Haiders bei n-tv zum Quotenschlager. Und natürlich jammerten damals – genauso wie heute nach Höckes Auftritt bei Berndt – die Politiker der Kartellparteien über die mediale Bühne, die ihren politischen Gegnern geboten wird. Der Unterschied besteht nur darin, dass die eigentlichen Medienspektakel heute immer häufiger nicht mehr in den etablierten, sondern in den alternativen Medien stattfinden.
🇩🇪 Ein Video vom „Tag der deutschen Jugend“ in Schwerin sorgt für Diskussionen über den Auftritt der „Generation Deutschland“ Mike Gutsing erklärt, warum für ihn nicht der Vorfall selbst, sondern die Identitätskrise der AfD-Jugend das eigentliche Problem ist. Link zum Artikel: https://www.freilich-magazin.com/politik/die-sackgasse-der-generation-deutschland
📚 Ausgerechnet bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung wird Jan Fleischhauer demnächst sein neues Buch vorstellen Dabei hatte er die Partei in der Vergangenheit scharf attackiert und sogar erklärt, ein AfD-Verbot wäre ihm „auch recht“. Link zum Artikel: https://www.freilich-magazin.com/politik/afd-nahe-stiftung-laedt-scharfen-afd-kritiker-jan-fleischhauer-ein
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Ich habe jetzt die 900-seitige Erhard-Biografie von Hentschel durch. Die kann ich nur empfehlen. Vor allem ereignis- und diplomatiegeschichtlich kann man mitnehmen, dass die letzten Jahre in einigen Fällen quasi die 60er Jahre von damals waren. Ein Beispiel: "Der erste Brief übersetzte gleichsam Alarmrufe ins Deutsche, die letzthin in Frankreich Furore gemacht hatten. Jene Alarmrufe galten der Feststellung, daß technisch-industrieller Fortschritt fast nur noch in Amerika gemacht werde, daß die Amerikaner Europa an ihren Fortschritten gar nicht oder nur zu hohen Kosten teilhaben ließen und daß sie ihrerseits in großem Stil in Europas moderne Industrien investierten."
📖 20 Prozent Rabatt, drei Magazine und über 250 Seiten Analysen Mit der Sommeraktion lohnt sich ein FREILICH-Abonnement jetzt besonders. Nur bis zum 17. August gibt es das Jahresabo vergünstigt und inklusive eines exklusiven Dossiers für neue Abonnenten. Link zum Artikel: https://www.freilich-magazin.com/blog/sommeraktion-20-prozent-rabatt-auf-das-freilich-abo
🇵🇱 War es ein würdiges Gedenken oder eine kalkulierte Provokation? Eine umstrittene Aktion der polnischen Partei Nowa Nadzieja vor dem Brandenburger Tor in Berlin sorgte am Wochenende für scharfe Kritik. Link zum Artikel: https://www.freilich-magazin.com/politik/mit-bengalos-und-transparenten-polnische-afd-partnerpartei-provoziert-mit-aktion-vor-brandenburger-tor
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Der Artikel über das Freilich Magazin im neuen DÖW-Rechtsextremismus-Handbuch ist eigentlich ziemlich unspektakulär, oder? Aber immerhin wird gegendert. Natürlich sind auch Fehlinformationen vorhanden, aber das gehört bei Rechtsextremismusexperten eben dazu.
Zu Spanien gibt es viele falsche Informationen. Hier muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen, weil einiges durcheinandergebracht wird. Zunächst einmal ist es richtig, dass der linke Ministerpräsident Sánchez potenziell rund einer Million Migranten in Spanien einen neuen Aufenthaltstitel ermöglicht hat. Dieser muss allerdings erst beantragt werden. Bis zum Fristende gab es rund 1,2 Millionen Anträge. Das muss man allerdings auseinanderdröseln: Es handelt sich weder um eine Amnestie noch um eine Einbürgerung, sondern um eine zeitlich befristete Legalisierung undokumentierter Migranten in Spanien. Diese ist zudem an verschiedene Bedingungen geknüpft, unter anderem daran, dass keine Vorstrafen vorliegen. Die neue Rechtsstellung soll vorwiegend die Aufnahme einer Arbeit erleichtern und einen vermeintlichen Arbeitskräftemangel beheben. Dass diese Argumentation angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien idiotisch ist, ist ein anderes Thema, ebenso wie das absurde Argument der Regierung Sánchez’, dies sei ein „Akt der Gerechtigkeit“. Wie viele der rund 1,2 Millionen Anträge letztlich positiv beschieden werden, bleibt abzuwarten. Der neue Aufenthaltstitel ist zunächst auf ein Jahr befristet, stellt ein Arbeits- und Aufenthaltsvisum dar und gilt nur für Spanien. Solche Legalisierungen gibt es in Spanien übrigens immer wieder, ungefähr alle zehn bis fünfzehn Jahre. Bereits unter dem konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar wurden 2001 und 2002 bis zu einer halben Million Migranten legalisiert. Hinzu kommt auch die Herkunft der Migranten, die von der Regelung profitieren. Spanien ist – was angesichts seiner Geschichte wenig überrascht – seit Jahrzehnten ein wichtiges Zielland für Migranten aus Lateinamerika. Vor allem viele Venezolaner sind nach Spanien ausgewandert, Aallein in Madrid gibt es eine große venezolanische Gemeinschaft. Ersten Schätzungen zufolge machen Lateinamerikaner den weitaus größten Teil der Begünstigten der neuen Sánchez-Regelung aus, Nordafrikaner hingegen nur rund zehn Prozent. Offizielle Zahlen dazu liegen allerdings bisher nicht vor. Übrigens genießen Lateinamerikaner auch bei der Einbürgerung gewisse Vorteile. Das erklärt zumindest teilweise, weshalb bei den stark gestiegenen Einbürgerungszahlen – von rund 130.000 im Jahr 2020 auf etwa 300.000 im Jahr 2025 – mit Ausnahme Marokkos die ersten zehn Herkunftsländer ausschließlich aus Lateinamerika stammen. Wichtig: Ich möchte die linksradikale spanische Regierung damit allerdings nicht verteidigen. Politisch halte ich sie für desaströs – zumal Sánchez innerhalb seiner eigenen Koalition verglichen mit manchen Partnern fast noch als moderat erscheint. Man hat es mit linksradikalen Akteuren in dieser Regierung zu tun, die eine schädliche politische Linie verfolgen. Trotzdem sollte man sich die konkreten Fakten ansehen und unterscheiden, was in Spanien tatsächlich geschieht und was lediglich behauptet wird. Hinzu kommt, dass das viel kritisierte Gerichtsurteil nicht von Sánchez oder seiner Regierung, sondern von Richtern erlassen wurde. Solche Entscheidungen finden sich übrigens auch in anderen europäischen Staaten. Selbst im vermeintlich rechten Italien haben Gerichte wiederholt migrationsfreundliche Urteile gefällt. Man erinnere sich nur an das Debakel um die albanischen Drittstaatenzentren, mit denen Giorgia Meloni ihre Migrationspolitik verschärfen wollte, was jedoch von der Justiz erheblich ausgebremst wurde. Apropos Meloni: Ausgerechnet ihre Regierung betreibt in einem anderen Bereich etwas Ähnliches, das Sánchez häufig vorgeworfen wird. Über das sogenannte „Decreto Flussi“ werden regelmäßig Kontingente für die legale Einreise ausländischer Arbeitskräfte festgelegt. Für die Zeiträume 2023 bis 2025 sowie 2026 bis 2028 sind jeweils rund 500.000 Einreisen zusätzlich zu den bereits in Italien lebenden Migranten vorgesehen.
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Ein schönes Beispiel für das enorme Ungleichgewicht, mit dem rechte Medien im Vergleich zu den etablierten Medien konfrontiert sind. Letztere werden mit Millionenbeträgen staatlich gefördert, obwohl sie – gemessen an diesen Summen – oft nur eine vergleichsweise geringe Leserschaft erreichen. Wir bei FREILICH verzeichnen in guten Monaten laut unserem bewusst datenschutzsensibel und nüchtern arbeitenden Statistik-Tool mindestens mehr als 100.000 einzigartige Nutzer. Und das mit einem Bruchteil des Budgets der Wiener Zeitung und rund 2.000 treuen Abonnenten. Jeder weitere Abonnent hilft uns dabei, unsere journalistische Arbeit auszubauen, unsere Reichweite zu erhöhen und unsere Bedeutung weiter zu stärken.
[Polnischer Nationalistenaufmarsch in Berlin] Der rechtspolnische PR-Slop-Tourismus nach Berlin durch die Konfederacja, konkret ausgerechnet durch die AfD-Partnerpartei Nowa Nadzieja, wird langsam peinlich. 1. Man macht sowas nicht, schon gar nicht wiederholt. Das ist kein Stil; das ist Ressentiment-Kultivierung. 2. Man müsste es, wenn überhaupt, in Moskau tun, denn die Rote Armee hätte damals problemlos über die Weichsel setzen können, wollte sie aber nicht, um sich der polnischen Aufständischen in der Nachkriegsordnung zu entledigen. 3. Deutsche Rechte reisen auch nicht jährlich nach Breslau, Danzig oder Stettin, um an über 13 Millionen vertriebene und geschändete Landsleute zu erinnern. Historisches Leid aufzurechnen, im Jahr 2026, ist nur noch unpolitisch-destruktiv. Jedenfalls kein Fundament für unser gemeinsames Morgen, das wir benötigen. 4. Während unzählige Probleme der Gegenwart und nahen Zukunft alle unsere Völker und Nationen gemeinsam bedrohen, und zwar substantiell, riskieren keifende Slopulisten-Chauvinisten für neue Klicks und Likes im Heimatland die Basis möglicher internationaler Zusammenarbeit zum Wohle eines irgendwie noch europäischen Europas. Wir reden über Ceuta, Konfederacja über die 1940er. 5. Die Versammlungsfreiheit, grundgesetzlich verbrieft, gilt für deutsche Staatsbürger, nicht für chauvinistische Touristen, die eine pyromanische Fankurve mit unseren Denkmälern verwechseln. Wieso ist eine solche Show immer wieder möglich, mitten in Berlin, vor einem der letzten intakten nationalen Monumente? 6. Im aktuellen Freilich Magazin (Juni 2026) schreibe ich über deutsch-polnische Fragen. Mein Fazit könnte aktueller nicht sein, ich zitiere: „‚Solange die Welt besteht, wird niemals ein Deutscher ein Freund der Polen sein.‘ (‚Jak świat światem, nie bedzie Niemiec Polakowi bratem‘), lautet ein nationalistisches Sprichwort aus der Zeit der polnischen Aufstände in Oberschlesien. Das ist zu ändern. ‚Doch kann diese Heilung nur gelingen, wenn die dazu erforderlichen Schritte auf beiden Seiten erfolgen’, wie der Preußenforscher René Nehring (PAZ v. 12. Dezember 2025) konkludierte. An uns würde das nicht scheitern.“ Nein; es scheitert immer und ausschließlich an Show-Egomanen wie Mentzen. Grüße in die Runde. ___ // folgt dem kaiser
Islamkritik kann eine Folie der politischen Kommunikation sein, sie sollte jedoch weder programmatischen noch inhaltlichen Charakter annehmen. Wenn überhaupt, dann sollte sie sich gegen eine „Islamisierung” Europas richten und nicht gegen den Islam als solchen. Die Gefahr einer Anti-Dschihad- oder allgemeinen Islamkritik besteht nämlich darin, in eine Pfadabhängigkeit zu geraten und sich plötzlich um vermeintliche Bürgerrechte am Persischen Golf oder um Konflikte im Nahen Osten kümmern zu wollen. Der Maßstab muss Europa bleiben. Um es mit Björn Höcke zu sagen: Der Islam hat seinen eigenen Kulturraum – Europa sollte dieser jedoch nicht sein.
Die europäische Rechte muss sich entscheiden. Folgt sie weiterhin der Logik eines vermeintlichen „Kampfs der Zivilisationen“, gemeinsam mit den USA und Israel als Teil des „Westens“, verbunden mit einer Anti-Dschihad-Linie und der Unterstützung außereuropäischer Kriege im Nahen Osten, in Afrika und in Asien? Oder versteht sie sich als eigenständiger europäischer Block, der seine außenpolitischen Interessen aus nationalen und ethnischen Gesichtspunkten ableitet und sich auf das Eigene konzentriert?
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