Der Nordische Gedanke
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Die typisch bürgerliche „Wohlfühloase“ des sog. „gewöhnlichen“ oder „alltäglichen“ Lebens definiert sich über ihre eigene ausgeprägte Begrenzung. Alles, was einen heiligen, rituellen und symbolischen Wert — eine wahrhaft geistige Kraftquelle — aufweist, wird durch einen rein profanen Kreislauf von Geburt und Tod ersetzt. Eine Seele, die ihren König verloren hat, leidet längst nicht einmal darunter... Ja, es gibt wahrlich ein Privileg des Schmerzes! Der heutige Mensch wäre überrascht und entsetzt darüber, wenn er wüsste, dass es einst Wesen gab und gibt, für die das, was er unter einem „gewöhnlichen“ Leben versteht, eine ganz und gar außergewöhnliche Vorstellung ist und sowas wie etwas „Alltägliches“ gar nicht gibt. Gerade dieser Schlag müsste als „normal“, als überhaupt „menschlich“, gelten.
Die äuſzere Welt iſt ein Zeichen und ſie giebt uns auch jetzt die Zeichen wieder, nämlich jene, die uns deuten, daſs die Teufel und Untoten auf der Gaia wandeln und tanzen, ſie gerade anbeten in ihrem ſchlechteſten Zuſtand, der jeder uraniſch-geiſtigen Elementarkraft bar iſt. Totes Land für tote Völker! .
. Cultur wird heute von einer Warte aus betrachtet, die nur einen ſehr begrenzten Horicont zuläſſt, dementſprechend ſeelenlos iſt auch dieſe Betrachtung, hat die Иeele doch Weite und Tiefe, die ja erſt Cultur möglich machen. Dieſe Иeele, die Cultur ſchafft und belebt, benötigt eine Zündquelle für jede ihrer muſiſchen Unternehmungen, die der Geiſt iſt. Fehlt dieſer Geiſt – der bei unſerer beſchriebenen Warte völlig abhanden gekommen iſt – wird die Cultur zum Conſumobjekt und flach. Es wird darüber geſprochen, die Cultur ſei im ſtetigen Wandel und ſo oder ſo entwickelt ſie ſich eben, aber nach Иtatuten der altvorderen Künſtler und Culturſchaffenden müſſte viel eher feſtgeſtellt werden, daſs wir es mit einem leeren Gefäſz zu thun haben, was ganz klar auch der Logik unterworfen iſt, denn der Menſch, der nur noch ein leeres Gefäſz darſtellt, keine Fülle mehr zu bieten hat, kann auch nur leere Gefäſze weitergeben – nicht einmal erſchaffen wird er dieſe leeren Gefäſze und je nach dem wie der Menſch ſeinen Kosmos füllt oder wie hier leert, ſo wird ſich auch die Cultur entwickeln, eben zum hohen, fruchtbaren Gut, bis hin zum Иchein ihrer ſelbſt, eine Иcheincultur. Gerade die Kunſt, die das Bethätigungsfeld der Cultur iſt, iſt in trivialſter moderner Unart verkommen und weiſt ſogar ſolche Zeugungsunfähigkeit auf, daſs nicht einmal ein Umriſs einer geiſtesgebundenen Иeelenſtructur geſchaffen werden kann, von neuen wirklichen Meilenſteinen ganz zu ſchweigen. Cultur, genauſo wie Identität, ſind keine „ewigen geſtaltloſen Geſtalten“ in der Welt des Wandels, ſondern ſterben und verrotten, bis nur noch ein Иkelett im Grabe liegt. Die Annahme, daſs es ſich um etwas ewig Beſtändiges im Wandel handelt, liegt an der falſchen und beſchränkten Anſchauung, eigentlich die nicht vorhandene Fähigkeit etwas wahrlich anſchauen zu können. Die Cultur, die von der Bodencultur ſtammt, alſo den Boden cultiviert, durch einen Иamen – den Geiſt – der Wurzeln ſchlägt und ſich verbindet, iſt in einer Geſellſchaft, die ihre Geſchichte nur aus Büchern kennt und ihr profanes Allerweltsgeſicht durch farbenfrohe Oberflächlichkeit überdeckt, nicht vorhanden – es ſcheint in der That ſo, als ob man immer wieder aufs Neue ein Grab ſchändet, eine uralte Leiche ausgräbt und ſie zum Tanze führt. Иchon ſelbſt die kosmopolitiſchen Culturerſcheinungen der Vergangenheit hatten trotz alledem immer eine gewiſſe Иeelenabſtammung, die nicht in aller Welt lag, zwar im Gedanken des „Weltbürgers“, doch nie nach ſo einer gearteten Modalität, die dann nämlich gar keine wäre, ſonſt wären dieſe ſo nichtsſagend wie die heutigen Auswüchſe – der Widerſpruch in ſich: der Kosmopolit konnte ſich nur durch eine beſtimmte Иeelenartung, die ihm auf culturell-ſeeliſcher Baſis vererbt war, in beſter Weiſe äuſzern, die er verſucht durch dieſes Mittel [ſich] ſelbſt zu beſeitigen. Ja, ſelbſt der Nomade hatte ſeinen Иeelenſtamm und ſeine Geiſteswurzel, den er in die Welt tragen wollte – mit dem modernen Weltbürger iſt er natürlich wenig verwandt. Es wird in der Welt der Nützlichkeiten „gelebt“, und ſo wird es „culturell“ auch angewandt: die Nützlichkeit des Geſchmacks macht Eindruck und bringt auch dem Characterloſeſten Anſehen und die Nützlichkeit der Unterhaltung, die einen ablenkt vom alltäglichen Wahnſinn und Manie dieſer Geſellſchaft, iſt ebenfalls gut abgedeckt. Eigentlich iſt Cultur etwas Nutzloſes, denn ſie ſpiegelt im Grunde die Иeelen- und Geiſtesfülle eines Reiches und Volkes wider, an dem der Иchöpfer und die Иchaffenden ſich erquicken können, indem ſie dieſe Fülle nach auſzen tragen, anſchauen und leben. Mit einer verkommenen Иeele und einem fehlenden Geiſt, mit einer Leere, muſs dann zwangsläufig etwas zur Nützlichkeit gerinnen, das vorher dazu keinen Grund hatte, weil es immateriell und wertvoll, ja werterfüllt und gleichzeitig -gebärend war, bis es nun ſeinen letzten Atemzug that und es nur noch cadavergehörig gebraucht wird.
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In der Antike war der 'artifex' der, der eine Kunst oder ein Handwerk ausgeübt hat. Allerdings war er etwas, das weder dem Künstler noch dem Handwerker von heute ähnlich ist, wenn wir diese beiden Begriffe in ihrem modernen Sinne verwenden (zumal die Bedeutung von „Handwerk“ im Sinne von „Kunsthandwerk“ allem Anschein nach immer mehr aus der heutigen Sprache verschwindet). Der artifex war mehr als beide zusammen, weil seine Tätigkeit zumindest ursprünglich mit Prinzipien verbunden war, die einer viel tieferen Ordnung angehörten. Das Handwerk hatte damals auf die eine oder andere Weise die Kunst eingeschlossen, da beide in früheren Zeiten nicht durch ein ihr Wesen unterscheidendes Merkmal voneinander getrennt waren. Daher war das Handwerk in der Antike noch von wahrhaft qualitativer Natur. Es lässt sich auch nicht abstreiten, dass dies schon aufgrund ihrer Definition die Natur der Kunst ist. Trotzdem engen die modernen Menschen aus welchem Grund auch immer ihre Vorstellung von Kunst dermaßen ein, dass sie diese in einen auf gewisse Weise geschlossenen Bereich verbannen, der mit dem Rest der menschlichen Tätigkeiten keine Verbindung zu haben scheint, also mit all dem, was sie als „Wirklichkeit“ ansehen, wenn man das Wort in dem sehr merkwürdigen Sinne benutzt, den es in der Moderne hat. Sie gehen dabei sogar so weit, dass sie der Kunst den Charakter eines „Luxusgutes“ zuschreiben, da diese auf jene Art jeglicher praktischen Bedeutung beraubt ist. Dies ist wiederum ein Begriff, der ganz charakteristisch für das ist, was ohne Übertreibung die „Verblendung“ unserer Zeit genannt werden kann. René Guénon
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. „Das Blut des Bundes ist dicker als das Wasser des Schoßes“ .
Zu einer andern Zeit war er da, jener einfältige Weise, der unter der Form des Scherzes für das Gute arbeitete. Er wußte durch seine Klugheit genau, was seinen leichtsinnigen Leuten nötig war, damit sie nicht einfach den Ernst des Guten mißbrauchen sollten und dadurch bewegt werden, dem Weisen viel Geld zu bezahlen, eine Belohnung dafür, daß sie betrogen wurden. Die Form des Scherzes hinderte, daß sie den Ernst mißbrauchten. Der Widerstand des Scherzes offenbarte gerade ihren Leichtsinn. Das war das Gericht. Ohne diese Klugheit hätten wahrscheinlich die Leichtsinnigen ihn nachgeäfft im Ernstsein. Jetzt dagegen stellte er sie vor die Wahl, und siehe, sie wählten den Scherz; sie merkten gar nicht, daß Ernst darin war — weil in ihnen kein Ernst war. Søren Kierkegaard, „Die Reinheit des Herzens“
. In einer solchen Welt gibt es keinen Platz mehr für den Verstand und auch nicht für alles, was rein innerlich ist, denn dies sind Dinge, die man nicht sehen oder berühren, zählen oder wiegen kann. Es gibt nur einen Platz für das äußere Handeln in all seinen Formen, einschließlich der ganz bedeutungslosen. Deshalb darf man sich nicht wundern, dass die wahnhafte angelsächsische Vorliebe für „Sport“ jeden Tag mehr an Boden gewinnt: Das Ideal dieser Welt ist das „menschliche Tier“, das seine Muskelkraft aufs Höchste entwickelt hat. Ihre Helden sind die Athleten, selbst wenn sie brutale Dummköpfe sein sollten: Gerade sie erregen die Begeisterung des Volkes, und für ihre Großtaten schwärmen die Massen. Eine Welt, in der man solche Dinge sieht, ist wirklich sehr tief gesunken. René Guénon .
„Sie alle haben das Medusenhaupt in dir gesehen“, sagte mir jedes mal ein Gedanke, so oft sich dergleichen begab, es wohnt in dir; die es sehen, die sterben, und die es nur fühlen, die entsetzen sich. Du hast das Todhafte, das Todbringende, das in jedem Menschen und auch in dir wohnt, damals gesehen in den Pupillen des Spuks. Der Tod wohnt in den Menschen, darum sehen sie ihn nicht; Sie sind nicht ,Christus‘-träger; sie sind Träger des Todes; er höhlt sie aus von innen wie ein Wurm. — Wer ihn aufgestöbert hat wie du, der kann ihn sehen, — dem wird er Gegen-„stand“, dem stellt er sich ent„gegen“. Gustav Meyrink, „Der weiße Dominikaner“
Deine Gattin soll keine Gelegenheit bekommen, sich zu grämen, daß du jenes dein innerlichstes Verhältnis zu Gott bedenkst; und wäre sie so töricht, selber nur das Irdische zu wollen, töricht genug, um dich auch ins Irdische herabziehen zu wollen, so wird eines Weibes Torheit doch wohl nicht das Gesetz der Ewigkeit zu verändern vermögen, und es wird in der Ewigkeit nicht danach gefragt werden, ob deine Gattin dich verführte (darüber wird die Ewigkeit mit ihr reden), sondern du wirst lediglich als Einzelner gefragt werden, ob du dich verführen ließest. Søren Kierkegaard, „Die Reinheit des Herzens“
Der Maßstab für eine geistige Entwicklung sollte nicht das Niedrigste sein, sondern das Höchste. Sich an oberflächlichen und offensichtlichen Weltgeschehnissen und menschlichen Verfehlungen zu orientieren, mit der Absicht (so rein und ehrlich diese auch sein mag) es genau „andersherum“, es „besser“ zu machen, führt dazu, dass die wesentlichen und entscheidenden Fehler im Unsichtbaren unentdeckt und in ihrem letzten echten Wert chancenlos für eine Absolution und Umwandlung bleiben. Die wirklich interessanten Fehler und Schwächen entspringen und münden in geistiger Hand, mit denen es sich allein lohnt auseinanderzusetzen. Alles andere gehört dem endgültig Tierischen im Menschen an — und somit der unmenschlichen Natur. Nur weil ich das Wildschwein entdeckt habe, bleibt das Hausschwein immer noch ein Schwein.
. Rechts oder links... An jenem Tag werdet ihr vorgeführt, und nichts von euch wird verborgen bleiben. Was nun denjenigen betrifft, dem sein Buch in seine Rechte gegeben wird, so wird er sagen: „Kommt her, lest mein Buch. Wahrlich, ich war fest überzeugt, dass ich meiner Abrechnung begegnen würde.“ So wird er in einem Leben vollkommener Zufriedenheit sein, in einem hochgelegenen Garten, dessen Früchte leicht erreichbar sind. – „Esst und trinkt wohlbekömmlich für das, was ihr in vergangenen Tagen (an guten Taten) vorausgeschickt habt.“ Was aber den betrifft, dem sein Buch in die Linke gegeben wird, der wird sagen: „Ach, hätte ich doch mein Buch nie erhalten und wüsste ich nicht, wie meine Abrechnung ausfällt. Wäre doch der Tod mein endgültiges Ende gewesen. Mein Besitz hat mir nichts genützt und meine (damalige) Autorität ist dahin.“ – „Ergreift und fesselt ihn, um ihn dem flammenden Feuer auszusetzen. Zieht ihn dann durch eine Kette hindurch, deren Länge siebzig Ellen beträgt, denn er glaubte nicht an Allah, den Allmächtigen...“ aus Sure 69 | Das Wahre | Al-Hâqqah des Korans .
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Somit nahm ihn das Leben in eine strenge Schule; er hielt jedoch stand, er setzte seine Ansprüche herab, er wollte nicht das Gute betrügen. Ach, es war, als wollte auch das nicht helfen; er glaubte, in dem Guten einen Anspruch an das Leben zu haben; nun schien es ihm, als wäre es das Gute, das nur Ansprüche an ihn habe... Da wurde sein Sinn verändert, es ging ihm im Leben, wie es dem besserem Schüler in der Schule gehen würde, wenn kein Lehrer da wäre: die mittelmäßigen würden die Übermacht bekommen und Macht, die besseren zu verderben, weil der gute Schüler keinen Lehrer hätte, bei dem er Zuflucht suchen könnte. Im Leben ist aber kein Lehrer sichtbar, der den guten Schüler aufmuntert, denn wir sind ja alle Schüler; soll der gute Schüler aushalten, dann muß er die Aufmunterung in sich selbst finden. Søren Kierkegaard, „Die Reinheit des Herzens“
. Иommerſonnenwende im XIX. Jahr u. R./u. Z. https://rattenfaenger.orrdo.org/die-von-uns-gedrehte-welt .
Das Ewige aber ist das herrschende, das nicht seine Zeit haben will, sondern das sich die Zeit untertänig machen und die Genehmigung dazu geben will, daß das Zeitliche auch seine Zeit bekommt. ... Denn im Verhältnis zu dem Ewigen geben die Jahre keine Berechtigung zu reden, und die Jugend bildet kein Hindernis, das Rechte fassen zu können. Wollte jemand erklären, dass Gottesfurcht im Verstande der Zeitlichkeit der Kindheit angehöre und darum mit den Jahren verschwinde, wie die Kindheit es tut oder ein glückliches Gemüt, das wohl erinnert, aber nicht bewahrt werden kann; wollte jemand erklären, daß die Reue wie die Schwäche des Alters mit dem Abnehmen der Kräfte komme, wenn die Sinne stumpf werden, daß sie eintrete, wenn der Schlaf nicht mehr stärkt, sondern die Mattigkeit vermehre: dann soll dieses Gottlosigkeit und Torheit sein. Gewiß gab es solche, die im Laufe der Jahre die Gottesfurcht ihrer Kindheit vergaßen, um das Beste betrogen und durch das Vermessenste betrogen; gewiß gab es solche, die die Reue erst in der Beschwerlichkeit des Alters einholten, wo nicht einmal die Kraft zum Sündigen da war, wo die Reue nicht nur spät kam, sondern der späten Reue Verzweiflung das Letzte war: dies ist aber keine Erzählung von einer Begebenheit, die sinnreich erklärt werden soll, oder wohl gar das Leben selbst erklären soll — es ist etwas Entsetzliches. Und ob ein Mensch auch tausend Jahre alt würde, er sollte doch nicht so alt geworden sein, dass er anders darüber zu sprechen wagte als der Jüngling: mit Furcht und Zittern. Denn im Verhältnis zu dem Ewigen wird ein Mensch im zeitlichen Verstande nicht älter. Søren Kierkegaard, „Die Reinheit des Herzens“
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. Kunst ist Ausdruck des Seelischen. Die Wirkung eines Kunstwerkes beruht auf der Resonanz einer gleichgestimmten Seele, seine Nichtwirkung auf dem Fehlen dieses Einklangs. In den großen Zeiten der Kunst war die allgemeine Resonanz gegeben: an den gotischen Domen baute und bildete das ganze Volk – sie sind Ausdruck seiner Seelenlage. Was eine ägyptische Statue des alten Reiches aussagte, vermögen wir nur noch von ferne zu ahnen: der Ägypter ihrer Entstehungszeit fand darin ganz bestimmte Empfindungen seiner Seele ausgedrückt, die anders gar nicht verbildlicht werden konnten. Eine allgemeine Resonanz wie in den großen Kunstzeiten besteht heute für die bildende Kunst nicht mehr. Seit den Tagen der Aufklärung ist das Band der Tradition gerissen, das feste Gefüge der Gesellschaft, lange schon gelockert, ist gesprengt, die Vereinzelung und Vereinsamung des Individuums vollendet. Die von diesem Individuum geschaffene Kunst ist nicht mehr Ausdruck eines allgemeinen Empfindens, ihr Widerhall ist darum auch beschränkt. Der große Riß, entstanden durch die mechanistische Weltauffassung, den Rationalismus, das Überwiegen der ökonomischen Interessen, die Hypertrophie des Verstandes und das damit zusammenhängende Verlangen nach wissenschaftlichem Begreifen der Welt, hat die einst vorhandene seelische Einheit zunichte gemacht. Ein Kunstwerk, das zu dem einen spricht, bleibt dem andern verschlossen. Eine weitgehende Unsicherheit über das, was Kunst ist, ist die Folge. Diskussionen über das absolute Kunstwerk, Schlagworte wie l'art pour l'art kennzeichnen sie. An der Oberfläche haftender Naturalismus, technische Bravour, Könnerschaft und Geschicklichkeit werden mit dem Namen geschmückt, der nur der überzeugenden Darstellung innersten Erlebens, der Erschließung des Ewigen mit den Mitteln des Endlichen zukommt. Gibt es Grade der Kunst, so ist nicht das formale Darstellungsvermögen für ihre Bewertung entscheidend, sondern die mehr oder minder große Tiefe, der mehr oder minder große Umfang des daraus hervorleuchtenden seelischen Gehalts. Denn die Seele ist das Organ der Allverbundenheit, nur sie vermag den großen Zusammenhang hinter der widerspruchsvollen, von Zufall, Willkür und Wechsel beherrschten Oberfläche zu schauen und zu zeigen. Ein Künstler wird um so größer sein, je stärker das seine ungebrochene Verbundenheit mit der Schöpfung dokumentierende „Metaphysische“, je stärker also der allem einzelnen zugrunde liegende gemeinsame Wesensgehalt in seinen Werken zum Ausdruck kommt. Das Echo aber, das er findet, muß heute notwendigerweise im umgekehrten Verhältnis zu seiner Größe stehen, da nur nahe Verwandtes Verwandtes wirklich und ganz begreift. Verwandtschaft aber heißt in diesem Falle: unmittelbare, nicht durch Verbildung, Naturentfremdung, Intellektualismus getrübte Empfänglichkeit. Kunst ist Ausdruck des Seelischen. Diese Begriffsbestimmung bedeutet nur scheinbar eine Verengung; denn der Bereich des Seelischen ist weit, reich gestuft und von wachsender Mannigfaltigkeit. Auch in einem Stillleben kann Seelisches seinen Ausdruck finden. Wenn das Reich des Seelischen nach Gestaltung drängt und die Kraft hat, diese zu verwirklichen, entsteht Kunst. Ihre Geburt weist aus, womit die Seele schwanger ging. Aus „Böcklin und das Wesen der Kunst“ von Hanns Floerke .
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